Start Im Profil Horst "Horschel" Klein

Im Profil: Horst "Horschel" Klein

"Da kommt Rainer." - "Wen hat er da im Auto?" - "Oh, Gott, nein! Es ist Horschel. Das wird furchtbar." Die Protagonisten der 1. Mannschaft standen in Langenheide am Platz und warteten auf ihren Trainer. Die Vorbereitung auf die Saison 1985/86 hatte gerade erst begonnen. Verhalten. Doch der zweite Mann im Auto war ein deutliches Signal. Der Wind würde rauher werden an diesem Abend. Konditionsarbeit stand auf dem Programm - und der Schrittmacher würde Horst Klein sein. Der damals 45-Jährige (!) war Rainer Treselers Waffe gegen lauffaule Jungspunde wie Hartmut Ebke, Jürgen Kastrup oder Jörg Weinhorst. Horschel, wie ihn auch damals schon alle in Häger nannten, würde vorneweg laufen. Ohne Pausen. In flottem Tempo. Unerbittlich. Und mit ausdruckslosem Gesicht sagen: "Weiter. Ein Runde geht noch." Und noch eine. Und noch eine. Und jeder 20-Jährige würde sich schämen, stehen zu bleiben. Denn Rainers Stimme würde genauso unerbittlich frotzeln: "Hey, schau Dir Horschel an. Er ist mehr als doppelt so alt wie du. Und atmet noch nicht 'mal schnell." Kondition war auch in der aktiven Zeit nie ein wirkliches Problem für Horst Klein. Ein unbequemer, laufstarker Mann in den hinteren Reihen war er beim kleinen HSV. Bisweilen sogar ganz hinten - auch im Tor half er aus. Dort ganz in der Nähe ist auch heute noch sein Platz. Genauer: etwa 15 Meter links neben dem Kasten. Bei Heimspielen nimmt der treue Fan des kleinen HSV, dessen Markenzeichen die scheinbar ewige (und vor allem echte) Sonnenbräune ist, dort auf den wenigen Stühlen Platz. Neben den alten Weggefährten, wie Gustav oder Rappen Göhner. Und fiebert mit. Sein Interesse am Spiel seiner Ersten hat nicht nachgelassen in all den Jahren. Er hilft, wo er kann. Beim Aufbau des Zeltes vor der Sportwerbewoche. Beim Zapfen im Wagen. Oder auch mit seinen Beziehungen. Zum Freibad Schröttinghausen. Mehr als einmal waren Grillabende dort in der Sommer-Saisonvorbereitung echte Höhepunkte. Wo das Bad und das Wasser nur uns gehörten. Sein Schulterklopfen nach guten Spielen ist immer noch eine der höchsten Auszeichnungen, die in Häger verliehen werden. Sein heller, drängender Ruf ("Schiri. Pfeif ab. Zeit ist um") ab Minute 84 ist das sicherste Zeichen, dass sein HSV kurz vor Schluss knapp vorne liegt. Und Hilfe braucht. Wenn der Schlusspfiff kommt, ist alles gut. Dann kann auch Horschel durchatmen. Noch zwei kleine Bier an der Hütte, ein bisschen fachsimpeln ("Der Neue mit der 11 ist fix auf den Beinen"), dann zupft's bei ihm kurz am Jackenärmel und er geht zufrieden nach Hause. Zu Fuß. Mit Elisabeth. Wie immer . . .

 

Namen, Zahlen & Daten

Alter: 72
Geboren: in Peterwitz in Schlesien, heute Polen

Wohnort: seit 39 Jahren in Häger

Beruf: jetzt Rentner, früher zunächst Seidenweber in der Ravensberger Weberei in Jöllenbeck (da, wo heute der Aldi ist) und später zunächst neben-, später hauptberuflich Schwimmmeister

Sportliche Stationen: erst Handballer und Fußballer in Schröttinghausen; nach Auflösung der Fußball-Abteilung dort ein Jahr beim TuS Langenheide und danach immer beim SV Häger - zuerst als Torwart, später auf allen defensiven Positionen

Verheiratet/ Freundin: ich lebe seit 39 Jahren mit Elisabeth Stadie zusammen


Kleins Lieblinge

Musik: ich liebe klassische Opern, höre aber eigentlich alles
Essen: Rouladen
Getränk: Bier
Buch: auch hier liebe ich die Klassiker wie "Krieg und Frieden" von Tolstoi
Film: Spiel mir das Lied vom Tod
Sportler: Alfredo di Stefano
Fernsehsendung: Sportschau
Politiker: Helmut Schmidt
Schulfach: Sport
Auto: Audi 80
Hobby – außer Fußball: Schwimmen und Fahrrad fahren

Kleins Extreme

Meine größte Fehlentscheidung: fällt mir momentan keine ein
Meine größte Stärke: meine körperliche Konstitution
Meine größte Schwäche: Unentschlossenheit
Mein bester Trainer: wenn ich noch wüsste, wie der hieß. Ich glaube, man nannte ihn Ata, ein toller Torwarttrainer in Schröttinghausen, der auch bei Fichte und Arminia tätig war
Mein erster Berufswunsch: Weber
Meine längste Rede: die gibt es nicht. Das mach ich nämlich nicht gern
Mein größter Erfolg: unser Hausbau in Häger
Mein schlimmster Gegner: auch da fällt mir der Name nicht mehr ein. So ein Schweinehund aus Wellensiek, der später auch Platzwart wurde. Ach ja, und Hartmt Ostrowski vom TuS Dornberg. Ein guter Mittelstürmer
Meine Lieblingsspieler beim SV Häger: Eckhard Blomeier, Dr. Christian Thelemann und Maik Slotta
Mein liebster Gegner: TuS Langenheide
Mein größter sportlicher Wunsch: dass es in Häger so weitergeht wie bisher. Die Spielklasse ist mir dabei eigentlich egal


Neun Stichworte für Klein

Ausdauer: da konnte man bei mir nie meckern
Fairness: hart muss man spielen, aber nicht unfair. Da passieren unabsichtlich auch mal Verletzungen - so ist das beim Fußball
Sonne: Sonne und Wasser sind meine beiden besten Freunde
Freunde: früher hatte man natürlich viele Kumpels. Richtige Freunde sind inzwischen rar geworden
Rainer Treseler: ein ganz feiner Kerl
SV Häger: keine Frage - das ist mein Verein
Freibad Schröttinghausen: ich habe viele gesehen, aber das Bad in Schröttinghausen ist ein besonders schönes
Häger als Wohnort: wunderschön
Maßmann: es war ein Stück Häger. Schade, dass es das nicht mehr gibt. Was haben wir da für Zeiten verbracht

Fragen über Fragen

Wem ich gerne einmal die Meinung sagen würde: da fällt mir wirklich niemand ein
Worüber ich zuletzt geweint habe: als meine Mutter gestorben ist. Und das ist noch nicht so lange her
Wen ich gerne einmal treffen würde: auch da fällt mir niemand ein
Was mich auf die Palme bringt: Fußballer, die sich schreiend am Boden wälzen und Sekunden später wieder quietschfidel durch die Gegend springen
Mit wem ich gerne einmal einen Tag tauschen möchte: mit dem Bundeskanzler? Nee, lieber nicht
Wenn ich deutscher Nationalspieler wäre, sollten die anderen zehn heißen: Neuer, Lahm, Mertesacker, Hummels, Ballack, Rolfes, Müller, Özil, Podolski, Klose
Worüber ich lachen kann: über alte Filme mit Hans Moser
Wo ich mich am wohlsten fühle: eindeutig zuhause
Welche Peinlichkeit ich nie wieder erleben möchte: als Torwart einen ganz einfachen Ball durch die Beine zu bekommen