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Im Profil: Thomas Schöneich

19.11.2010

Zwei Mannschaften, zwei Torwarte. Die Rechnung
klingt einfach und logisch. Nur: Sie geht nicht auf.
Immer wieder im Laufe einer Saison muss man die unangenehme Erfahrung machen, dass auch Torwarte Menschen sind. Die sich verletzen können. Die Familienfeiern haben. Die vielleicht auch einfach 'mal krank sind , oder im Urlaub. Der SV Häger versucht deshalb seit Jahren, Ersatztorhüter in der Hinterhand zu haben. Für den Fall der Fälle. Torwarte, die nicht böse sind, wenn sie Sonntags frei haben. Die aber kommen, wenn sie gebraucht werden. In der Spielermeldeliste tauchen deshalb auch heute noch Namen auf, die man dort gar nicht erwartet. Wie etwa Jens Großpietsch, der Handballtrainer des TuS Brockhagen, der - was viele nicht wissen - ein mehr als nur passabler Fuballtorwart ist. Und - unvergessen - natürlich auch Andreas Pohlmann, dessen Bewegungstalent nicht nur auf der Mittelstürmerposition zum Tragen kam, sondern eben auch im Kasten. Dass sie zuletzt nicht mehr gebraucht wurden, lag an Thomas Schöneich. Er war der Mann, der in den vergangenen zwei Jahren regelmäßig einsprang, wenn ein Keeper ausfiel. Viel Anerkennung besonders von der 2. Mannschaft wurde dem Mann, den Jörg Müller aus dem schier unerschöpflichen Reservoir der Neuen Westfälischen gewann, zuteil. Nicht nur, weil der gebürtige Freckenhorster gut hielt, sondern auch, weil er sich in der Kabine so gab, wie man es sich wünscht. Als selbstkritischer Teamplayer, der die Relevanz von C-Liga-Spielen richtig einzuschätzen wusste:
90 Minuten lang sind sie so wichtig wie ein Bundesligaspiel - doch es gibt ein Leben danach. Jetzt zieht es Thomas endgültig dorthin, wohin er schon immer wieder zurück wollte: nach Australien. Thomas Schöneich ist ein Weltenbummler. Und überall schnell zuhause. Sein Lebenslauf liest sich für einen Hägeraner schlichtweg abenteuerlich, sein Einleitungssatz der E-Mail, die er schrieb, um diesen Fragebogen ausgefüllt zurückzusenden, sagt alles: "Du musst einige Umlaute und Doppel-S wieder herausnehmen. Ich musste hier auf einem chinesischen Keyboard schreiben." Hier - das ist in diesem Fall Guangzhou. Dort nimmt er momentan Aufgaben der Pressebetreuung bei den Asian Games wahr. Nur eine seiner vielen Stationen bei großen Sport-Events in den vergangenen Jahren (zweimal Olympische Spiele/ Peking und Vancouver; zweimal Asian Games/ Doha und jetzt Guangzhou; einmal Commonwealth Games/ Delhi). Überall hilft ihm sein tadelloses Englisch, das er spricht, als wäre er so groß geworden. Unvergessen ist mir die Szene, als ich mit ihm zusammen einen PR-Termin bei Schüco wahrnahm und wir mit einer ganzen Presse-Meute dem Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton gegenüberstanden. Thomas Schöneichs Sprachtalent sorgte für eine aufgelockerte Atmosphäre und Hamilton sprach nach kurzer Zet eigentlich nur noch mit der NW. Plauderte, als er wäre er daheim bei einem Kaffeetrinken. Mann, war ich stolz auf unseren Auszubildenden . . . Mit neun Jahren hat Thomas angefangen, Fußball zu spielen, beim 1. FC Gievenbeck. Zwei Spiele absolvierte er bei den Senioren in der 1. Mannschaft (Landesliga), sonst wurde er eher in der Zweiten (A- und B-Liga) eingesetzt. Geboren wurde er in Freckenhorst (Kreis Warendorf), aufgewachsen ist er in Münster, gearbeitet hat er neben der NW schon für die Münstersche Zeitung, aber auch BILD. Zum Abschluss Deiner Hägeraner Zeit, Thomas, noch einmal ein Dankeschön von uns allen an Dich. Du warst wichtiger, als Du glaubst. Du warst eine Bereicherung in jeder Hinsicht. Alles Gute für die Zukunft und vergiss nicht: Melbourne hin, Sydney her,  der Mittelpunkt der Welt ist da, wo Freunde sind. In Häger wirst Du immer einige finden . . .

 

Namen, Zahlen & Daten

Alter: 29
Geboren: am 8. August in Freckenhorst

Wohnort: ab dem 5. Dezember in Sydney

Schule/ Lehre/ Beruf: Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Münster, dann Studium in Münster, Leipzig und Sydney; Volontariat bei der Neuen Westfälischen in Bielefeld, seit September 2008 Freier Journalist

Beim SV Häger: seit Frühsommer 2008

Freundin: Emily Groves, seit fast vier Jahren


Schöneichs Lieblinge

Musik:
Muse, Black Eyed Peas, Kings of Leon, Radiohead, Queen
Essen: Pizza, Pasta und gerne auch 'mal ein Döner
Getränk: Apfelschorle und am Wochenende Bier oder auch ein Glas Wein
Buch: Tiziano Terzani - "Das Ende ist mein Anfang"
Film: Inception, Pulp Fiction, The Castle (ein australischer Klassiker)
Sportler: Usain Bolt, Michael Phelps und ganz früher: Bodo Illgner
Fernsehsendung: Sportschau
Politiker: aktuell schwierig, aber immer Helmut Schmidt, wenn ich ihn sehe/lese/höre
Schulfach: Geschichte
Auto: Audi TT
Hobby – außer Fußball: Reisen, lesen, kochen

Schöneichs Extreme


Meine größte Fehlentscheidung:
weiß ich nicht. Ich glaube allerdings, dass die Entscheidung, jetzt nach Australien zu gehen, sicherlich eine meiner bisher größten Entscheidungen ist
Meine größte Stärke: ich glaube, dass ich selbstbewusst bin und hoffe, dass ich dabei immer freundlich und nie arrogant wirke
Meine größte Schwäche: ich habe ein Motivationsproblem, bis ich ein Zeitproblem habe
Mein bester Trainer: Hans Hellwich, der mich beim 1. FC Gievenbeck von der E- bis zur A-Jugend trainiert hat
Mein erster Berufswunsch: wenn ich mich richtig erinnere, dann stand Astronaut sehr früh relativ weit oben
Meine längste Rede: die waren alle bisher verhältnismäßig kurz
Mein größter Erfolg: ich hatte häufig das große Glück, das zu erreichen, was ich auch erreichen wollte
Meine schönste Niederlage: so schön, dass ich mich gerne daran erinnere, können Niederlagen nie sein
Mein schlimmster Gegner: aus Münsteraner Fußballsicht waren das fast immer Münster 08 oder Preußen Münster; persönlich ist es auch häufig der innere Schweinehund
Mein liebster Gegner: weiß ich nicht; man muss sie alle irgendwie besiegen
Mein größter sportlicher Wunsch: als ich angefangen habe, Fußball zu spielen, wollte ich natürlich Nationaltorwart werden - zählt das? Gereicht hat es dann nur einmal zur Einladung für die Kreisauswahl


Neun Stichworte für Schöneich

Handy: ohne geht einfach nicht mehr
Fairness: im Sport und im Leben allgemein ganz, ganz wichtig
Torwarte: eigentlich kann man als Torwart nur beim Elfmeter gewinnen. Sonst ist jeder Fehler zwangsläufig ein Gegentor. Vielleicht muss ein Torwart auch immer ein wenig verrückt sein. Ich habe jedenfalls nie die Entscheidung bereut, Torwart geworden zu sein
Hägers "Zweite": ein tolles Team, in dem es mir sehr viel Spaß gemacht hat, ab und zu wieder Fußball zu spielen
Australien : bald die neue Heimat, wer weiß? Aber wer einmal bei strahlend blauem Himmel unter der Harbour Bridge in Sydney steht und auf das Opera House schaut, verliebt sich automatisch in dieses Land
Bielefeld: ein Jahr wollte ich bleiben, jetzt sind es mehr als drei geworden. Die Stadt müsste nur viel mehr aus sich machen - sie hat nämlich viele sehr schöne Seiten
Atomkraft: ich glaube, es geht ohne. Und jede Entscheidung, sie weiter zu verwenden, Laufzeiten zu verlängern etc., ist eine rückwärtsgewandte Entscheidung
Haargel: mindestens genauso wichtig wie das Handy
Lewis Hamilton: very nice guy, what else can I say


Fragen über Fragen

Wem ich gerne einmal die Meinung sagen würde:
ich hoffe, dass ich das immer, wenn ich wollte, bereits getan habe
Worüber ich zuletzt geweint habe: das ist zu persönlich
Wen ich gerne einmal treffen würde: Mahatma Gandhi
Was mich auf die Palme bringt: Intoleranz
Mit wem ich gerne einmal einen Tag tauschen möchte: Neil Armstrong für den Tag, als er den Mond betrat
Wenn ich die nächsten Olympischen Spiele vergeben dürfte, würde ich . . . nochmal schnell Australien und Neuseeland als Kombi-Bewerbung für die Winterspiele 2018 in den Ring werfen
Worüber ich lachen kann: Situationskomik ist meistens am besten
Wo ich mich am wohlsten fühle: bisher eigentlich immer da, wo ich gerade bin
Welche Peinlichkeit ich nie wieder erleben möchte: das muss so peinlich gewesen sein, dass ich es verdrängt habe