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Im Profil: Jens "Hoshi" Horstmann

Er gehört zu denen, die Spuren hinterlassen. Die nicht einfach zwei Jahre in einem Verein spielen und nachher haben alle vergessen, wer das eigentlich war. Das liegt auch daran, dass er aneckt. Er hat Meinungen und er vertritt sie vehement. Ist das imanent bei Leuten, die bei der Zeitung arbeiten (ich darf diese Frage stellen, beantworten müssen sie andere)? Jens Horstmann, von dem in Häger und auch anderswo nicht viele wissen, dass er Jens heißt, ist noch nicht lange bei uns. "Hoshi" ist vom ersten Tag an sehr präsent. Er leidet erkennbar darunter, dass er ein guter Fußballer ist, den schwere Verletzungen dazu gezwungen haben, Großes nicht mehr anzustreben. Das Große an ihm ist, dass er sich die Begeisterung nicht hat nehmen lassen. Dass er das Große will. Und es auch in tieferen Klassen sucht. Dafür gebührt ihm Respekt. Mehr noch, als für sein Können im Dribbling und im Ballgefühl. Er wird immer ein Kritiker bleiben, ich werde ihn immer kritisieren. Aber alle, die etwas davon verstehen, was einen Verein ausmacht, sind froh, dass er da ist. Er liebt das Spiel. Dafür liebe ich ihn. Platonisch, versteht sich

 

Persönliches

Alter: 26
Geboren - wo: 21. Juli 1984 in Castrop-Rauxel (nicht Wanne-Eickel)

Wohnort: Bielefeld

Schule/Lehre/Beruf: Versicherungskaufmann, ab September Student

Sportliche Stationen: SC Halle, SV Häger

Lieblingsposition: in der Halle im Tor, ansonsten ist's mir fast egal

Verheiratet - Freundin - Kinder: nein, nein, nicht das ich wüsste


Horstmann Lieblinge

Musik: Foo Fighters, Jay-Z, R. Kelly, Michael Jackson, Dieter Thomas Kuhn, also so ziemlich alles

Essen: es geht nichts über richtig gutes Fleisch, Pasta und natürlich Sushi

Getränk: Milchkaffee, Gin Tonic, Bacardi O.

Buch: Guns'n Roses, Shotgun Blues, Die Spielmacher, Der Schneekönig, Ein Mann, ein Buch, 1000 Gründe, den Fußball zu lieben

Film: Heat, Einer flog übers Kuckucksnest, Last Boy Scout, Senna und alles mit Owen Wilson und Christian Bale

Sportler: Natürlich Dirk Nowitzki, Lothar Matthäus, Jan Ullrich, Eddi Irvine

Politiker: heutzutage fällt mir jetzt keiner ein, den ich hier nennen könnte. Was vor allem am Wahlsystem liegt. Nachhaltige Politik ist so nur schwer möglich. Einer fällt mir aber doch ein, aufgrund seiner Volksnähe: Guido Freitag

Schulfach: Sport, Geschichte, Mathe, Erdkunde

Auto: Opel Corsa B

Hobby – außer Fußball: Sport. Egal, ob selber spielen, oder schauen. Gutes Essen, Filme und Musik. Gesellige Runden, offene und kontroverse Diskussionen mit Lennart oder Jogi

Horstmanns Extreme

Meine größte Fehlentscheidung: privat - im Januar 2003 auf mein Fahrrad zu steigen und mir ein Wettrennen mit Lennart und Jogi zu liefern. Wird aber wahrscheinlich bald eingeholt von meiner Entscheidung, nach drei Knie-OP's wieder und weiterhin Fußball zu spielen. Beruflich - meine Selbstständigkeit nach der Ausbildung

Meine größte Stärke: Ehrlichkeit, Loyalität, Zuverlässigkeit, mein Humor

Meine größte Schwäche: ich kann kaum jemandem einen Wunsch absprechen, manchmal vielleicht zu nett

Mein bester Trainer: Dr. Christian Vobejda im ersten A-Jugend-Jahr in Halle. Umso mehr ärgert mich noch immer sein Abschneiden in Häger. Und das trage ich einigen Spielern immer noch nach

Mein erster Berufswunsch: Dinosaurierforscher

Mein größter Erfolg: sportlich sicherlich der Aufstieg mit Halle in die A-Liga und der gewonnene A-Jugend-Altkreispokal in Steinhagen gegen unsere Dauerrivalen von der Spvg. Steinhagen. Unser letztes Spiel als Jugendspieler und wir haben gewonnen.

Meine peinlichste Situation: meine erste Wohnung war sehr klein und zudem hellhörig. Was meinen Vermieter, der über mir wohnte, dazu veranlasste, mit meiner Mutter über mich und meine Freundin zu sprechen . . .

Mein schlimmster Gegenspieler: das war Markus Wohlfahrt in der F-Jugend. Er spielte bei Ravensberg und ich war bei Halle im Tor. Und ich hatte große Angst, weil der so unglaublich hart schießen konnte. Zum Glück waren wir damals (übrigens mit Daniel Kesegi, Thomas Grewe, Pascal Reuter, etc.) so gut, dass er kaum zum Schuss kam

Meine liebster Mitspieler: ganz klar - Jogi Mußgnug. Der beste Fußballer, mit dem ich je zusammengespielt habe. Der garnierte auch mal nen Tunnel mit einem Pfiff, lief aber auch als Zehner 90 Minuten und noch mehr. Der konnte Dinge mit dem Ball, das war Wahnsinn

Mein sportliches Vorbild: frisurtechnisch war das Roberto Baggio in den frühen 90ern. Bodo Illgner war es als Torwart. Jetzt habe ich keine Vorbilder mehr, sondern Spieler, die ich einfach geil finde - wie Ronaldo. Also, der richtige jetzt, Il Fenomeno

Mein größter sportlicher Wunsch: ich möchte gerne selber bestimmen, wann ich mit dem Fußball aufhöre. Und nicht eine vierte und demnach auch letzte schwere Knieverletzung


Neun Stichworte für Horstmann

Fairness: Erstrebenswert, ist aber rar gesät und jedenfalls keine Glückssache

Handys: Fluch und Segen. Erleichtert jedenfalls die Kommunikation, kann aber auch nerven, immer erreichbar zu sein

Tageszeitung: mein Arbeitgeber. Lese immer noch gerne die Lokalseiten für den Altkreis, auch, wenn ich jetzt in Bielefeld wohne. Außerdem haben wir in der WG die SZ im Abo, natürlich nur wegen des Sportteils

Politiker: sind heutzutage nicht sehr populär, was aber auch an der Idee unserer Demokratie liegt. Man kann keine nachhaltigen Entscheidungen treffen, weil die meisten Bürger die Reichweite dieser Entscheidungen nicht begreifen und bei der nächsten Wahl wieder die Opposition wählen, die natürlich alles besser kann. Und vier Jahre später geht's dann wieder andersherum.

Jogi Löw: ich mag den Nivea-Mann nicht. Auch wenn er dem deutschen Fußball sehr viel gebracht hat, ist er mir einfach unsympathisch. Und was den Fall Ballack angeht, ich glaube eher ihm als Löw. Ich glaube, Löw hat aus purer Berechnung gehandelt, um hier ein Alpha-Tier zu rasieren

Ballack: Die Causa Ballack ist ein Spielgelbild unserer Gesellschaft, undankbar bis zum letzten. Vor der WM 2010 heulen 82 Millionen, dass wir ohne unseren Capitano doch gar keine Chance haben. Ein gutes Vorrundenspiel, Schiedsrichterhilfe im Achtelfinale und zwei sehr gute k.o.-Spiele reichen aus, dass sechs Wochen später der bedeutendste und beste deutsche Fußballer der letzten Dekade auf einmal nicht mehr gebraucht werden soll? Anstatt abzuwarten, wie Ballack sich nach der Verletzung erholt, denn das ist man ihm schuldig. Wo wäre Deutschland 2002, 2006 oder 2008 ohne Ballack wohl gelandet?? Und dass er immer noch besser ist als Khedira, Träsch, Kroos, Rolfes & Co. ist für mich fast schon sicher

Bayern, oder Pauli: selbst als 60iger sind mir die Bayern nicht gänzlich unsympathisch. Aber Pauli ist natürlich Kult, alleine schon die Tormusik des Kiezclubs ist nur geil

Frauenfußball: ist nicht böse gemeint, aber ich kann ihn mir nicht anschauen. Interessiert mich einfach nicht. Und das soll bei Fußball schon 'was heißen

SV Häger: fast wäre ich ja zurück nach Halle gegangen. Aber Häger ist mir mittlerweile mit all seinen Facetten sehr ans Herz gewachsen. Auch, wenn ich einige Spieler wohl nie verstehen werde, was aber einfach auch an mir liegen kann. Ich würd's zwar nicht beschwören, aber ich glaube nicht, dass ich den Verein nochmal als Aktiver verlassen werde.

 

Fragen über Fragen

Wem ich gerne einmal die Meinung sagen würde: allen Ballack- und Gomez-Kritikern und meinem ehemaligen Lateinlehrer

Worüber ich zuletzt geweint habe: als ich morgens aufwachte, die Ärzte ins Zimmer kamen und sagten: "Herr Horstmann, wir mussten den Meniskus entfernen. Das war's mit Fußball. Auch kein Tennis mehr. Sie dürfen aber Fahrrad fahren."

Wen ich gerne einmal treffen würde: die Mutter meiner Kinder

Was mich auf die Palme bringt: Lügen, Unzuverlässigkeit, Ungerechtigkeiten

Mit wem ich gerne einmal einen Tag tauschen würde: Neil Armstrong auf dem Weg zum Mond sowie auch darauf

Wenn ich aktuell deutscher Nationalspieler wäre, sollten die anderen zehn heißen: Adler; Lahm, Hummels, Mertesacker, Träsch, Ballack, Schweinsteiger, Özil, Müller, Gomez

Was ich meinem Trainer schon immer einmal sagen wollte: eigentlich sag ich immer alles

Wo ich mich am wohlsten fühle: mit Lennart Stüssel, ner Pulle eiskaltem Volvic Orange, nem Kicker und guter Musik auf irgendeiner Wiese inna Sonne